Flexibilität auf eine neue Ebene gehoben

Am 12. Oktober 2019 nahm man bei Hegener-Hachmann das neue Sägewerk in Betrieb. Es handelt sich wohl um einen der flexibelsten Produktionsabläufe, die in einem mittelständischen Sägewerksbetrieb jemals realisiert wurden.

Sägewerk Hegener-Hachmann

Am 12. Oktober 2019 nahm man bei Hegener-Hachmann das neue Sägewerk in Betrieb. Es handelt sich wohl um einen der flexibelsten Produktionsabläufe, die in einem mittelständischen Sägewerksbetrieb jemals realisiert wurden. Dieser war für alle Beteiligten eine planerische und technische Herausforderung.

„Hanxleden 4.0 Onlinesägewerk – innovatives, ressourcenschonendes Sägewerkskonzept für KMU“ – so lautete der Projekttitel des knapp 11 Mio. €-Investments bei Hegener-Hachmann, Schmallenberg/DE. Genau ein Jahr, von Oktober 2018 bis Oktober 2019, dauerte der Neubau. Nach weiteren zwölf Monaten ist man rechnerisch bei der geplanten Einschnittmenge angekommen. Aber von Anfang an.

Möglichst alle Ressourcen nutzen
Hubertus Hegener-Hachmann führt das Unternehmen mittlerweile in der vierten Generation. Ihn unterstützt maßgeblich Markus von Weichs, der als Geschäftspartner im Wesentlichen für den Rundholzeinkauf zuständig ist. Entstanden aus einem Forstbetrieb samt ursprünglich kleinem Sägewerk als Nebenerwerb, investierte Hegener-Hachmann 2007 in den ersten Ausbau – damals mit einem gebrauchten Gatter und einer Nachschnittkreissäge. „Um unseren Betrieb zukunftsfähig zu machen und nach Möglichkeit viele verschiedene Rundholzsortimente, auch teils aus dem eigenen Forst, einschneiden zu können, haben wir uns für einen kompletten Neubau entschieden. Unter anderem konnten wir so während der Bauphase am Standort unabhängig weiterproduzieren. Unser Ziel ist es, die eingesetzten Ressourcen über den gesamten Produktionsprozess schonend und effektiv zu nutzen“, erzählt Hegener-Hachmann. „Wir wollen alles an einem Standort aufarbeiten. Nur durch eine breite Aufstellung haben wir als mittelständischer Betrieb unsere Daseinsberechtigung.“ Damit meint er nicht nur das klassische Schnittholz, wie KVH-Rohware, Bau- oder Gartenholz. Hegener-Hachmann ist für seinen Massivholzboden aus Laub- und Nadelholz unter dem Namen „Gutshofdiele“ in der Region bekannt. Zudem verarbeitet man Lärche, Douglasie und starke Fichte.
Da das Gesamtprojekt als „Leuchtturmprojekt“ überregionalen Anschauungscharakter in Hinblick auf Flexibilität, Effizienz und Ressourceneinsparung aufweist, wurde es im Rahmen des Aufrufes „Ressource NRW“ mit EFRE-Mitteln des Umweltministeriums NRW in Höhe von 50 % der förderfähigen Bestandteile gefördert.
Entstanden ist ein modernes Sägewerk mit einem geplanten Jahreseinschnitt von mindestens 40.000 fm für Nadel- und Laubholz welches sich in den Abläufen hochkomplex zeigt. Hegener-Hachmann entschied sich bei der Einschnitttechnik für eine geneigte EWD-Blockbandsäge samt Spaner für Stämme bis 10,5 m Länge und 1,3 m Durchmesser. Das Holz kommt zu rund 70 % online vom Rundholzplatz ohne Vorsortierung zum Einschnitt. Bei der Mechanisierung sowie der Sortier- und Stapelanlage setzt Hegener-Hachmann auf das Können von Kallfass, Baiersbronn/DE. „Für uns war neben der Wirtschaftlichkeit der Investitionssumme ausschlaggebend, welchem Ausrüster man vertraut, gemeinsam diesen Weg zu gehen. Außerdem hat uns die Lösung von Kallfass sehr gut gefallen und das Unternehmen gab uns die Zusage, das Projekt auch in der veranschlagten Zeit umsetzen“, begründet Hegener-Hachmann. „Große Herausforderungen für uns waren der Online-Einschnitt und zudem die große Varianz der Produktdimensionen“, erinnert sich Kallfass-Geschäftsführer Hans Haist. Kallfass lieferte zudem die Steuerung für das Sortierwerk. „Unsere Programmierer hatten mit den anspruchsvollen Hölzern und unterschiedlichen Dimensionen eine große Aufgabe“, umschreibt Haist.

Vieles ist möglich
Das Rundholz wird grundsätzlich an der Blockbandsäge vorgeschnitten und nach dem Nachschnitt an der Combimes-BNK und/oder dem Gatter in das Sortier- und Stapelwerk von Kallfass gefördert. Es gibt aber noch zwei weitere Optionen: „Produkte mit mehr als 6 m Länge und über 105 mm Stärke sowie Blockwaren oder hochwertige Einzelstücke können in den Sonderabwurf 1 am Gatter oder den Sonderabwurf 2 hinter der BNK gefördert werden. Diese lassen sich dort anschließend per Hubwerk schonend auf die untere Ebene bringen“, erklärt Hegener-Hachmann.

50 Boxen und Mehrfachbelegung
Hölzer bis 105 mm Stärke, 300 mm Breite und 6 m Längen kommen bei Hegener-Hachmann ins Kallfass-Sortierwerk. Hier stehen 50 Schrägboxen zur Verfügung. Bei Schrägboxen gleitet das Holz bei der Entleerung unten sanfter auf den Kettenförderer, was vor allem bei Laubholz ein Vorteil ist. „Aufgrund unserer enormen Produktvielfalt beziehungsweise der vielen Holzarten belegt der Rechner bei Bedarf eine Box oftmals mit drei verschiedenen Sortimenten“, erklärt Hegener-Hachmann. In dem Fall wird die Box beim Erreichen des Füllstands entleert und die nicht benötigte(n) Dimension(en) nochmals über eine Rückführung geschleust und erneut einsortiert.
Die zu stapelnden Hölzer werden vereinzelt und nochmals hinsichtlich der Qualität von einem Mitarbeiter im Querdurchlauf begutachtet. Nicht entsprechende Werkstücke lassen sich hier nochmals ausschleusen oder kürzen. Die Bretter gelangen dann durch die CNC-Mehrfachablängsäge von Kallfass: Diese kappt die Hölzer je nach Anforderung mit einer Null- sowie vier variablen Sägen. „Die Kappung läuft tadellos und millimetergenau“, bestätigt der Bediener. Im Anschluss erfolgen die Lagenbildung sowie die Paketierung. Die Leistung beziffert Haist mit bis zu zehn Lagen beziehungsweise 60 Brettern pro Minute bei der Eintaktung. Die Paketieranlage ist mit acht Magazinen mit automatischer Leistenlegung ausgestattet.
Fertige Pakete kommen mit einem Hubwerk nach unten. Sie werden – aufgrund der Platzverhältnisse – auf einen einseitig gelagerten Rollenförderer abgesetzt. Dieser schwenkt das Paket, auf Schienen geführt, um 90°. Danach werden die Pakete umreift und zum Versand bereitgestellt. Halbe Pakete oder Pakete, die nach der Trocknung ungelattet aufgepackt werden müssen, können über die angebundene Kippentstapelung im erneuten Durchlauf durch das Stapelwerk neu kommissioniert werden.
Sowohl das Sägewerk Hegener-Hachmann als auch Kallfass bestätigen eine zufriedenstellende Umsetzung und Inbetriebnahme. Nun steht die gemeinsame kontinuierliche Verbesserung der innerbetrieblichen Abläufe und des Datenflusses im Vordergrund.

Kallfass lieferte einen Großteil der Mechanisierung bei Hegener-Hachmann im Sägewerk sowie die komplette Sortier- und Stapelanlage

Eine Besonderheit: Hegener-Hachmann kann verschiedene Dimensionen in eine Box sortieren.

Ein Mitarbeiter wirft noch einen letzten Blick auf die Bretter, bevor sie in die Stapelanlage kommen.

Kallfass installierte auch die bewährte CNC-Mehrfachablängsäge.

Spezialität aufgrund der Platzverhältnisse: Die Pakete kommen rechts von der Stapelanlage auf die untere Ebene, werden auf Schienen um 90°geschwenkt und gelangen dann zur Umreifungsstation.

Gute Zusammenarbeit: Markus von Weichs, die Kallfass-Geschäftsführer Hans Haist und Ernst Kallfass sowie Hubertus Hegener-Hachmann (v.li.).

Unter dem Namen Gutshofdiele vermarktet das Sägewerk Hegener-Hachmann seine hochwertigen Massivholzböden aus Nadel- und Laubholz.