Schmuckstück:
Neues Schwachholzsägewerk

GELO Timber entschied sich für eine Sortierung mit 40 Schrägboxen. Die Boxen sind um etwa um 30% größer und damit für Dimensionen von bis zu 1,65m Breite und 2m Höhe geeignet.

Smart, sauber und sicher

Im Dezember 2019 fiel der Startschuss in Wunsiedel, genau ein Jahr später fuhr der erste Stamm über die neue Linie – in der wohl schwierigsten Zeit ging der Bau des Sägewerkes von GELO Timber über die Bühne. Trotz aller Widrigkeiten aufgrund der Coronapandemie konnte der ohnehin straffe Zeitplan eingehalten werden.

Mit der Hauptware, überwiegend BSH-Lamellen, sollen hauptsächlich die Leimholzwerke versorgt werden. Die Seitenware, welche selbst nicht weiterverarbeitet werden kann, geht an Verpackungskunden. „Mit dem Sägewerk soll sich künftig der Zukauf der beiden Unternehmen deutlich reduzieren. Eine 100 %ige Eigenversorgung ist aber nicht möglich“, erläutert Küspert. Wunsiedel hat sich als Standort vor allem deshalb als günstig erwiesen, da GELO Timber dort mit der WUN Bioenergie unter anderem einen Pelletsproduzenten und Heizkraftwerksbetreiber als Nachbar hat. WUN Bioenergie ist aber nicht nur irgendein Nachbar: Küspert ist Mitinitiator des Energieparks und zudem Gesellschafter sowie Geschäftsführer. Dadurch ergeben sich tolle Synergien – quasi Sägerestholz im Austausch gegen Strom und Wärme. Küspert bezeichnet das Sägewerk als „smarte Lösung 4.0“.

Enormer Kraftakt

Im Dezember 2019 begannen die Bauarbeiten in Wunsiedel. Trotz der Coronapandemie konnte der ohnehin straffe Zeitplan eingehalten werden – nur ein Jahr später, im Dezember 2020, lief der erste Stamm durch die Sägelinie. „Es war für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung. Wir konnten die Anlage aber in der vorgegebenen Zeit in Betrieb nehmen“, sagt der Geschäftsführer und ist stolz auf die gute Zusammenarbeit. Vor wenigen Wochen startete man bereits mit der zweiten Schicht. Das Sägewerk ist auf einen jährlichen Einschnitt von 350.000 fm im Zweischichtbetrieb ausgelegt. „Das klingt vielleicht im ersten Moment nach nicht viel. Um diese Leistung zu erreichen, müssen aber über 18 Mio. lfm Rundholz pro Jahr die Anlage passieren. In unserem Sägewerk in Weißenstadt, wo wir stärkere Durchmesser verarbeiten, sind es nur rund 4 Mio. lfm bei einem Einschnitt von 250.000 fm/J“, führt Küspert aus. Das Sägewerk in Wunsiedel ist auf einen Zopfdurchmesser von 8 bis 25 cm sowie eine Holzlänge von 2,5 bis 5,3 m ausgelegt.

Gute Zusammenarbeit: Wolf-Christian Küspert (li.) mit Kallfass-Projektleiter Matthias Link

Sauber sortiert und paketiert

Die Haupt- und Seitenwarenbretter aus der HewSaw-Sägelinie gelangen auf zwei Decks in Richtung der Sortier- und Stapelanlage von Kallfass, Baiersbronn-Klosterreichenbach/DE. Außerdem realisierte der Mechanisierungsspezialist eine automatische Leistenzuführung. Die Haupt- und Seitenware werden über einen Vereinzeler auf einen Bogenförderer gebracht. Auf dem nachfolgenden Förderer beurteilt der Mitarbeiter die Hölzer. Ist ein Stirnschnitt vorzunehmen, zieht er das Brett bis zu 0,5 m vom Förderer ab. Bei der Besichtigung verweist Kallfass-Projektleiter Matthias Link auf die Rollen – damit lassen sich auch schwere Bretter einfach bewegen.

Im Querdurchlauf folgt die Eintaktung mit einem Tongloader in Richtung des Scanners und des Trimmers. Der Tongloader greift jedes Stück – ähnlich einer Hand –, vereinzelt den Brettfilm und taktet es in den nächsten Förderer ein. Der wesentliche Vorteil des Tongloader ist, dass er mit unterschiedlichen Schnittholzdimensionen auch von Stück zu Stück zurechtkommt. Die Leistung im Kallfass- Sortierwerk beziffert Link mit bis zu 120 Takten pro Minute.

Ein Microtec-Scanner ermittelt die Dimension und erkennt die Waldkante. Mittels der Sortiersteuerung Variosort erhält jedes Brett die entsprechende Boxennummer beziehungsweise die Information für den nachfolgenden Kallfass-Trimmer. Letzterer verfügt über sieben Sägen und kann außerdem einen Zerstörschnitt durchführen. „Zusätzlich kann der Bediener durch eine Farbmarkierung den Brettern weitere Merkmale, wie Käferschaden, Bläue oder Fäule, zuweisen“, erklärt Link.

„Wir haben ein absolutes Schmuckstück und sind stolz, das Werk zeitgerecht in so einer herausfordernden Zeit starten zu können.“

Wolf-Christian Küspert, Geschäftsführer GELO Timber

Um 30 % größere Boxen

GELO Timber entschied sich für 40 Schrägboxen. Um den Staplerverkehr am Gelände einzuschränken, kann die Kallfass-Anlage Pakete bis zu 1,65 m Breite und 2 m Höhe stapeln. Diese Dimension ermöglicht außerdem die bestmögliche Ausnutzung des Valutec-Kanaltrockners. Aus diesem Grund führte Kallfass die Schrägboxen größer als üblich aus. „Die Boxen sind etwa um 30 % größer“, beziffert der Kallfass-Projektleiter. Volle Boxen werden nach unten auf einen Querförderer entleert und mittels eines Stufenschiebers vereinzelt. Über dem Querförderer installierte Kallfass zudem die Nachsortierung der getrockneten Pakete – ein Trockenpaket ergibt bis zu zwei bis drei Versandpakete. Diese werden mittels Kippentstapelung lagenweise vereinzelt. Die Stapelleisten fallen automatisch auf ein Förderband und werden separat gesammelt.

Volle Boxen werden nach unten auf einen Querförderer entleert und mittels eines Stufenvereinzelers separiert. Über dem Querförderer installierte Kallfass zudem die Nachsortierung der getrockneten Pakete – ein Trockenpaket ergibt bis zu zwei bis drei Versandpakete. Diese werden mittels Kippentstapelung lagenweise vereinzelt. Die Stapelleisten fallen automatisch auf ein Förderband und werden separat gesammelt.

Sowohl die frische als auch trockene Ware kann ein Mitarbeiter bei Bedarf nochmals hinsichtlich der Qualität beurteilen, beziehungsweise unerwünschte Stücke aussortieren. Die Kallfass-Mechanisierung bildet anschließend je nach Paketvorgabe die Lagen, welche durch die Mehrfachablängsäge von Kallfass transportiert werden. Diese ist mit einer Null- sowie vier variablen Kappsägen ausgestattet. Ablegegabeln übergeben anschließend die fertigen Lagen an die Paketierung. Die Stapelleistung beträgt bis zu zwölf Lagen pro Minute.

Die Kallfass-Paketierung ist mit acht Doppelmagazinen für Trocken- und Versandleisten ausgestattet. Die Trockenleisten sind 1,6 m und die Versandleisten 1,2 m lang. Die Leistenlegung erfolgt automatisch. Fertige Pakete gelangen über einen Paternoster nach unten. Frische Ware gelangt von dort aus in den gegenüberliegenden Valutec-Kanaltrockner. Versandpakete kommen zu einer Fromm-Umreifungsstation, welche Kallfass noch mit einer automatischen Beschickung der Unterlagskanthölzer ausrüstete.

Wie eingangs erwähnt, lieferte Kallfass auch eine automatische Leistenzuführung für Trocknungs- und Versandleisten. Aufgrund der benötigten Menge an Trocknungsleisten wurde die Zuführung automatisiert. Die Leistenbündel werden auf einen Querförderer aufgegeben und vereinzelt. Ein Scanner überprüft die Dimension und erkennt Leistenbeschädigungen, wie etwa Astlöcher und Ausbrüche. Ungeeignete Leisten lassen sich über eine Klappe nach unten ausschleusen. Nach dem Scannen sammelt eine Vorrichtung die Leisten und fasst immer zehn Stück zusammen. Die Versandleisten werden über einen manuell befüllten Taschenförderer bereitgestellt. Ein Roboter greift die Leistenpakete und befüllt damit die Magazine der Stapelanlage. Der große Vorteil dieser Lösung besteht in der Möglichkeit, die Magazine variabel zu positionieren und dennoch automatisch zu befüllen.

 

Gelungenes Projekt

Die gesamte Administration des Sägewerks erfolgt bei GELO in Weißenstadt. Damit konnte die Belegschaft in Wunsiedel schlank gehalten werden. „Derzeit haben wir 32 Mitarbeiter im Zweischichtbetrieb. Mit nur elf Personen lässt sich das Sägewerk pro Schicht betreiben. Wir wollten ein absolutes Schmuckstück bauen – das ist uns auf jeden Fall gelungen. Alle Lösungen wurden genauso umgesetzt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Mit dem neuen Sägewerk sind wir gut für die Zukunft gerüstet“, meint Küspert. Besonders stolz ist der auf das Gesamtkonzept mit dem benachbarten Pellets- und Heizkraftwerk – „ein Standortvorteil, den einem keiner wegnehmen kann“.

Die Gesamtinvestition belief sich auf 38,5 Mio. €. Der Sägewerksstandort umfasst 11 ha, 7 ha davon werden derzeit genutzt. Für das restliche Gelände hat Küspert auch schon Ideen: „Aber zuerst wollen wir einmal das Hauptaugenmerk auf das neue Sägewerk legen“, sagt der Geschäftsführer abschließend.

Haupt- und Seitenware gelangt über zwei Pufferdecks und Bogenförderer in die Sortier- und Stapelanlage.

Für einen Endenschnitt zieht der Mitarbeiter die Bretter nach vorne, Rollen erleichtern die Arbeit.

Der Tongloader sorgt für eine rasche Eintaktung in Richtung des Scanners und der Schrägboxen.

Die Mehrfachablängsäge von Kallfass kappt die Lagen mit einer Null- und vier variablen Sägen.

GELO Timber setzt für die einfachere Befüllung der Doppelmagazine auf einen Leistenroboter von Kallfass.

Eines der ersten fertigen Schnittholzpakete von GELO Timber in Wunsiedel, sauber geschnitten, gestapelt und getrocknet, für die Leimholzproduktion.

Bilder und Text Martina Nöstler, Holzkurier 11/2021