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Diversifizierung mit Sägewerk

Spanischer Holzwerkstoff-Hersteller als Newcomer am Schnittholzmarkt
Seit einem Jahr gibt es in der europäischen Sägewerksbranche ein neues Gesicht: Grupo Losán aus dem spanischen La Coruña entschloss sich, am Standort Soria in ein Sägewerk zu investieren.
Die Besonderheit: Das Unternehmen setzte bei den Lieferanten fast ausschließlich
auf deutsche Technik.

Deutsche Technik in Spanien:
Linck installierte bei Grupo Losan eine Profilierlinie, Kallfass liefert die Mechanisierung und die Sortieranlage mit 45 Boxen

 

 

Das von den Brüdern Manuel, Luis und Emilio López Sánchez 1964 gegründete Unternehmen hat sich auf die Produktion von Span- und MDF-Platten, Furnier und Sperrholzplatten spezialisiert. Mittlerweile betreibt das Unternehmen elf Produktionsstandorte in Spanien, Rumänien, den Niederlanden, USA und in Chile. Das größte Spanplattenwerk befindet sich in Soria, das rund zwei Autostunden nordöstlich von Madrid liegt. An diesem Standort ist seit März 2017 das neue Sägewerk in Betrieb. Jorge A.
González Sánchez, Werksleiter in Soria, beschreibt im Holzkurier-Gespräch die Beweggründe für diese Investition: „Wir wollten eine Diversifizierung unserer Produkte und uns breiter aufstellen. Zudem können wir mit dem anfallenden Restholz unser Spanplattenwerk sowie das Biomasseheizkraftwerk in Soria versorgen.“

Mitten im Wuchsgebiet
Fährt man von Madrid in Richtung Soria, kann man sich aufgrund der kargen Landschaft kaum vorstellen, wie die Rundholzversorgung für das Sägewerk aussieht. Auf einer Hochebene auf über 1000 m Seehöhe gelegen, befindet sich Soria aber bereits mitten in einem der Kiefernwuchsgebiete Spaniens. Überwiegend verarbeitet Losán die dort vorkommenden Arten Pinus pinaster (Seekiefer) und Pinus sylvestris (Waldkiefer). Pinus radiata (Monterey-Kiefer), welche bessere Festigkeitseigenschaften aufweist, bringt man vom weiter nördlich gelegenen Baskenland nach Soria. Damit ist also die Rundholzversorgung gewährleistet. Zudem liegt Soria geografisch beziehungsweise
logistisch günstig zu Madrid, Valencia oder Barcelona.

 

 

„Wir wollten uns auf die Lieferanten verlassen können und einen sauberen Maschinenbau

– darum fiel die Wahl auf deutsche Technik.“

Jorge A. González Sánchez, Werksleiter Losán in Soria

Verlässliche Lieferanten
Bei der Wahl der Ausrüster fiel die Entscheidung fast ausschließlich auf deutsche Technik.
Linck, Oberkirch/DE, zeichnete – mit Ausnahme einiger Installationen, welche Losán selbst durchführte – als Generallieferant für Rundholzplatz und Sägelinie verantwortlich.
Weitere Hauptausstatter im neuen Sägewerk sind Kallfass, Baiersbronn-Klosterreichenbach/DE, Vecoplan, Bad Marienberg/DE, Sennebogen, Straubing/DE, und
Mahild, Nürtingen/DE. „Wir wollten die besten Lieferanten, sodass das Hochfahren des neuen Sägewerkes problemlos vonstattengeht“, begründet González die Entscheidung.
Und diese sei absolut richtig gewesen, wie er bestätigt: „Wir sind mit den Ausrüstern sehr zufrieden. Dies ermöglichte einen raschen Start.“ Das Sägewerk ging im Mai 2017 in Betrieb. Bereits nach zwei Monaten führte man eine zweite Schicht ein, nur sechs Monate später die dritte. Im nächsten Monat will man eine vierte Schicht dazuhängen.
Ursprünglich war vorgesehen, im neuen Sägewerk zu 50 % Konstruktionsholz (Dimensionen für den Holz- und Möbelbau) und zu 50 % Verpackungsware zu schneiden. Aufgrund der sehr guten Nachfrage nach Schnittholz für Paletten macht dieser Bereich aber derzeit 90 % der Menge aus. „Der Markt ist zwar wieder etwas ruhiger geworden, die Verpackung läuft aber nach wie vor“, meint González.
Die Linck-Lieferung beginnt, wie bereits erwähnt, am Rundholzplatz. Sennebogen-Umschlaggeräte bestücken den Aufgabetisch mit Rundholz. Nach der Vereinzelung passieren die Stämme eine Microtec-Vermessung. Zu starke oder schwache Hölzer werden automatisch ausgeschieden. Die nachfolgende Valon Kone-Entrindung ist mit acht Vorschubwalzen – vier davon sind angetrieben – ausgestattet. „Dies ist speziell
für kurze Stämme von Vorteil“, weiß Martin Huber. Er ist bei Linck für die Projektplanung zuständig und betreute federführend die Installation bei Losán. Eine 3D-Vermessung von Microtec ermittelt erneut die Stammdaten, anhand derer die Einteilung in eine der zwölf Boxen erfolgt. Unter der gesamten Anlage installierte Losán in Eigenregie die Entsorgung der abfallenden Rinde ebenso wie die Betonboxen.

Volloptimierung – Wert vor Volumen
Die entrindeten Stämme werden nach Möglichkeit (Kiefer verblaut sehr schnell) nur kurz zwischengelagert, bevor sie zum Einschnitt gelangen.
Die Sägelinie sowie das Schnittholzsortierwerk sind in einer bestehenden Halle untergebracht, welche Losán um 30 m erweiterte. Die Linck-Linie ist auf Rundholz von 2 bis 4,6 m sowie Zopfdurchmesser von 12 bis 40 cm ausgelegt. Aufgrund der Spezialisierung auf Palettenware sowie des Rohstoffes – Seekiefer ist mitunter sehr
krumm gewachsen – schneidet Losán überwiegend Kurzholz mit 2,5 m Länge. Bei der Stammaufgabe installierte Linck eine heb- und senkbare Zwischenwand, damit auch die kurzen Hölzer möglichst „geordnet“ zur Vereinzelung gelangen. Die Vorschubgeschwindigkeit der Profilierlinie lässt sich von 30 bis 100 m/min stufenlos regeln.
Ab Blockzug passieren die Stämme zuerst eine Microtec-3D-Vermessung.
Anhand der Daten ermittelt die Linck-Volloptimierung den bestmöglichen Einschnitt. „Im Programm sind sämtliche Schnittholzdimensionen sowie deren Wert hinterlegt. Die Optimierung errechnet in Brettbreite, -länge und -stärke für Haupt- und Seitenware
ein passendes Schnittbild“, erklärt Huber. Dabei gilt: Wert- vor Volumenausbeute.
Geschnitten wird nach vorgegebenen Produktstückzahlen.
Die Rundholzbeschickung kann wahlweise mit Zopf oder Stock voraus erfolgen.
Entsprechend der Optimierung bringt das Einzugswerk den Stamm in die richtige Position. Der erste Spaner erzeugt zwei plane Flächen. Nach der Drehung des Models um 90° folgt die erste Profiliergruppe.
In einem Arbeitsgang greifen ein Spaner, ein Fräsaggregat sowie eine Kreissäge in das Model ein. Die Fräser spanen dabei die Stärke der Seitenwarenbretter ab, die Kreissägen trennen dann bis zu drei Seitenbretter je Seite ab. Diese werden separiert und in das Kallfass-Sortierwerk transportiert. Nach einer erneuten 90°-Drehung spant in der Nachschnittgruppe erneut ein Fräsaggregat die Seitenware. Unmittelbar danach folgt die
Linck-Vielblattkreissäge mit Fixeinhang. Diese trennt das Holz in Seiten- und scharfkantige Hauptware (Palettenbretter) auf. „Die Linie ist auf eine Jahresleistung von 250.000 fm im Zweischichtbetrieb ausgelegt. Die Menge ist aber stark von der Rohware abhängig – bei großen Durchmessern muss der Vorschub entsprechend reguliert werden“,
führt Huber aus.

Abzug der Seitenware nach der Vorschnittgruppe in Richtung Kallfass Sortierwerk

Ein Mitarbeiter kontrolliert die Schnittholzqualität

Eintaktung der Bretter mittels eines Tongloader in Richtung Boxen

Übergabe in die Sortierung
Haupt- und Seitenware kommen über Rollenförderer mit Querabzug auf einen gemeinsamen Pufferförderer. Ab hier beginnt der Part von Kallfass. Die Sortieranlage ist – gemäß den Vorgaben aus der Sägelinie– auf Schnittholzlängen von 2 bis 4,6 m ausgelegt. Die Brettbreiten reichen von 70 bis 250 mm, die Stärken von 17 bis 120 mm. Über eine
Vereinzelungsstufe und einen Bogenförderer kommt die Schnittware zu einer Beurteilungsstation. Durch Verschieben der einzelnen Werkstücke teilt der Mitarbeiter dem Schnittholz eine Qualität zu beziehungsweise kann eine stirnseitige Längenrückkappung an der Kappsäge durchführen.

Ein Tongloader taktet die Ware in Richtung Sortierung ein: Er greift jedes Stück aus dem Bretterfilm wie eine Zange und legt es in den Mitnahmeförderer. Eine Vermessung im Querdurchlauf ermittelt Länge, Breite und Stärke der Werkstücke. Anhand der Dimension
und Qualität erfolgt die Zuteilung in eine der 45 Schrägboxen. „Die Leistung der Anlage liegt bei 100 Takten pro Minute“, erklärt Dominik Hauser von Kallfass. „Die Sorten für das Sortierprogramm können im Büro über einer Excel-Tabelle eingegeben und über ein Netzwerk dem Sortierprogramm zur Verfügung gestellt werden. Der Bediener kann diese bei Bedarf, etwa bei neuen Sorten, in das aktuelle Programm übertragen. Umgekehrt lassen sich auch Sortentabellen als CSV-Dateien ausgeben und in Excel einlesen sowie bearbeiten“, ergänzt Hauser.

Kallfass installierte 45 Boxen für die Schnittholzeinteilung - ein weiterer Ausbau ist möglich

Stapelung auch mit unterschiedlichen Breiten pro Lage
Die Steuerung zeigt die Füllstände automatisch an. Deren Überwachung obliegt einerseits den Mitarbeitern in der Sortieranlage. Andererseits hat der Anlagenführer der Sägelinie am Bildschirm ebenso ein Auge darauf. Ist eine Box voll, lässt sich diese nach unten entleeren. Die Vereinzelung erfolgt im ersten Schritt über Stufenschieber, dann über einen klassischen Vereinzeler. Das Schnittholz gelangt erneut zu einer Kontrollstation, wo der Mitarbeiter noch die Möglichkeit hat, die Qualität zu überprüfen. Die Mechanisierung bildet Lagen entsprechend der Paketbreite. Eine Kallfass Mehrfachablängsäge
kappt das Schnittholz auf das geforderte Maß. Dafür stehen eine Nullsäge sowie vier variable Kappsägen zur Verfügung. Die auf Fixmaß gekappten Schnittholzlagen werden mittels Stapelzungen auf das zu bildende Paket gelegt. Hier installierte Kallfass noch eine automatische Lattenlegung mit acht Magazinen. Die Leistung beziffert Hauser mit bis zu zwölf Lagen pro Minute. Die Stapelanlage kann auch mit unterschiedlichen Brettbreiten eine Lage bilden. Das fertige Schnittholzpaket gelangt über ein Hubwerk eine Etage
tiefer und wird dort noch automatisch umreift beziehungsweise mit entsprechenden Paketzetteln versehen. Die Palettenware muss dann noch gemäß den Vorschriften behandelt werden: Dafür installierte ein in Soria ansässiger Maschinenbauer ein Tauchbecken. Zudem errichtete Mahild vier Trockenkammern.

Vereinzelung nach der Boxenentleerung

Kontrolle vor der Stapelung

  Bis zu fünf Kappsägen sorgen in der Kallfass Mehrfachablängsäge für die richtige Länge

Maßhaltigkeit: Die geraden Lagen beweisen den genauen Einschnitt und die saubere Stapelung

Weiterer Ausbau möglich
Obwohl Losán ein „Sägewerksneuling“ war, kam man laut eigenen Angaben – auch dank der guten Betreuung durch die Maschinenlieferanten – rasch auf Leistung. „In unserem bisher besten Monat erreichten wir bereits 20.000 fm“, sagt González und ist überaus stolz.
Mit dem Sägewerk soll aber hinsichtlich Verarbeitung noch nicht Schluss sein: Der Geschäftsführer denkt bereits über weitere Investitionen nach. „Wir möchten diesen Standort weiter ausbauen. Möglich wären als nächste Schritte eine Hobelanlage oder auch eine Pelletsproduktion“, meint er abschließend.

Holzkurier 38/2018

Bilder und Text Martina Nöstler