Kallfass bundling

Das Multifunktionswerk

Komplette Mechanisierungen für Hobelwerke hat Kallfass, Klosterreichenbach/DE, bereits unzählige gebaut und in Betrieb genommen. Bei Dold Holzwerke in Buchenbach/DE hat man den Ablauf in Sachen Flexibilität aber nochmals auf eine neue Ebene gehoben, denn mit dieser neuen Anlage kann bei Weitem nicht „nur“ gehobelt werden.

„Wir sind zu 100 % ein integrierter Holzverarbeitungsbetrieb“, sagt Nikloaus Faller, gemeinsam mit Matthias Huber Geschäftsführer bei Dold Holzwerke, zu Beginn. Der Rohstoff wird – soweit möglich – in Buchenbach selbst weiterverarbeitet. Mit dem Schnittholz bedient man die Massivholzplatten- Produktion sowie das Hobelwerk, die Rinde gelangt in das eigene Heizwerk, Sägespäne werden zu Pellets gepresst. Hinzu kommen Trocknung und Imprägnierung.

Ausgiebige Planung

Dold Holzwerke erzeugt seit Jahrzehnten Hobelware und auch Latten. „Bisher war unsere Mechanisierung rund um die Hobelmaschine aber relativ einfach gehalten. Um hier die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und die Effizienz zu steigern, haben wir uns für die Investition in ein neues Hobelwerk entschieden“, erläutert Faller. Aufgrund der engen Platzverhältnisse am Standort haben sich die Verantwortlichen aber zunächst entschieden, ein neues Bürogebäude zu bauen, da das alte sprichwörtlich aus allen Nähten platzte. Die Planungen für das Hobelwerk starteten 2020, im November 2022 folgte der Spatenstich für die neue Halle. Um die Fläche bestmöglich auszunutzen, wurde diese zweistöckig ausgeführt: Unten befindet sich das Schnittholzlager, in der oberen Etage das neue Hobelwerk.

Bei der Mechanisierung hat man sich für Kallfass als Ausrüster entschieden. „Wir haben mit mehreren Anbietern gesprochen, waren letztlich aber überzeugt, dass nur Kallfass unsere umfangreichen Wünsche umsetzen kann. Außerdem haben wir schon zuvor mit Kallfass zusammengearbeitet“, sagt Faller, der auch das tolle Projektmanagement seitens des Ausrüsters hervorhebt. „Bei der Planung haben wir die Anforderungen des Marktes sowie die notwendigen Dimensionen und Mengen berücksichtigt. Unser Portfolio ist sehr kundenorientiert ausgelegt – wir liefern, was der Kunde braucht.“

Gute Zusammenarbeit: Kallfass-Programmierer Holger Seidt mit den beiden Dold Holzwerke-Geschäftsführern Nikolaus Faller und Matthias Huber (v. li.)

„Wir haben von Kallfass im neuen Hobelwerk sprichwörtlich die eierlegende Wollmilchsau erhalten.“

Nikolaus Faller, Geschäftsführer Dold Holzwerke

Ein Holz – viele Wege

Kallfass hat in Zusammenarbeit mit Dold Holzwerke eine hochflexible Anlage geplant. Da man bei Weitem nicht nur hobelt, bezeichnen Faller und Huber sie auch als „Multifunktionswerk“. Möglich sind verschiedene Betriebsmodi:

  • Hobeln mit und ohne Vielblattsäge
  • Hobeln mit und ohne Bündelung
  • reiner Umstapelbetrieb
  • Bandsägenrundlauf mit und ohne Hobeln

 

Die Kallfass-Anlage ist auf Brettlängen von 2 bis 8,1 m ausgelegt. Die Querschnitte reichen von 18 mal 80 mm bis hin zu großen KVH-Querschnitten. „Aufgrund der vielfältigen Betriebsarten und auch des großen Dimensionsspektrums war dieses Projekt für uns alles andere als alltäglich“, meint Kallfass-Programmierer Holger Seidt. Die Jahreskapazität im Zweischichtbetrieb beziffert Huber mit bis zu 90.000 m³.

Die Kallfass-Mechanisierung startet mit einer Paketzuführung mittels eines Hubwerks mit einem möglichen Gesamtgewicht von 16 t in die zweite Etage sowie einer Kippentstapelung. Die Trockenkammer- und Verlustleisten fallen automatisch ab und gelangen zu einer Sammelstation. Nach der Vereinzelung kann das Holz zwei Wege nehmen: Entweder geht es geradeaus weiter zum Tongloader, oder die Bretter gelangen über einen Bypass nach oben und weiter zur der Weinig Raimann-Twinbandsäge. Mit dieser lassen sich die Stücke – ebenfalls flexibel – horizontal oder vertikal auftrennen. Die Bandsägebeschickung arbeitet mit einer Vorschubgeschwindigkeit von 100 m/min.

Kallfass unscrambler

Vereinzelung nach der Kippentstapelung: unten geht es nach links weiter zur Hobelmaschine, oben der Bypass für die Twinbandsäge

Hobeln oder umstapeln

Ein Tongloader taktet die Bretter in die Mitnehmer ein. Nach der Feuchte- und Schüsselungsvermessung lassen sich Schlechtteile ausschleusen. Können diese weiter aufbereitet werden, gelangen die Stücke in eine Runge, andernfalls in den Hacker. Im weiteren Ablauf folgt die bewährte Kallfass-Mehrfachablängsäge mit einer fixen Säge sowie zwei variablen Einheiten. Nach dieser Anlage gibt es erneut zwei Möglichkeiten: nach unten in den Bypass für das reine Umstapeln oder geradeaus weiter in den Hobeleinzug von Kallfass. Diese Beschickung ist auf eine maximale Vorschubgeschwindigkeit von 250 m/min ausgelegt.

Kallfass cross-cut saw

Vielfach bewährt: Für den Sauberkeits- und Trennschnitt installierte Kallfass die Mehrfachablängsäge

Hinter der Hobelmaschine kommt eine weitere Besonderheit: eine Weinig Raimann-Vielblattkreissäge für noch mehr Flexibilität in der Produktion. Diese montierte Kallfass auf Schienen, sodass sie bei Nichtgebrauch einfach auf die Seite geschoben werden kann. Anschließend werden die Werkstücke nach links auf den Kettenförderer mit Beurteilungsstation abgezogen. Auch hier lassen sich Teile nach unten ausschleusen. Diese gelangen entweder zur zweiten Stapelmaschine oder in den Hacker. Noch steht hier ein Mitarbeiter, um die Qualität zu begutachten. Man hat aber bereits bei der Konfiguration der Anlage darauf geachtet, dass sich bei Bedarf relativ einfach ein Scanner in den Ablauf integrieren lässt.

Mit ein Grund für die Investition in das Hobelwerk war für Dold Holzwerke, Latten effizienter zu fertigen. Aus diesem Grund installierte Kallfass eine Bündelungsanlage. „Wir stellen die Bunde hinsichtlich Stückzahl je nach Kundenwunsch zusammen. Der Vorteil der Kallfass-Lösung: Vom Zusammenstellen der Bunde bis zu deren Umreifung wird das Holz zu jeder Zeit fixiert“, verweist Faller beim Rundgang. Danach werden die Bunde beziehungsweise das Schnittholz an einer der beiden Stapelanlagen paketiert, nach unten transportiert und der Fromm-Umreifungsstation zugeführt. Hier baute Kallfass ebenfalls ein Feature ein: Um den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern, gibt es im Rollengang ein Hubwerk, das die Pakete um gut 50 cm anhebt.

Da das Werk in einer neuen Halle entstanden ist, konnte bei Dold Holzwerke mit der Bestandsanlage weiterproduziert werden. „Kallfass hat zuerst die gesamte Mechanisierung in Betrieb genommen. Ganz zum Schluss haben wir die generalüberholte Hobelmaschine dann an ihrem jetzigen Platz installiert“, führt Huber aus und Faller ergänzt abschließend: „Durch die hohe Automatisierung und die schnelle Umrüstung der Anlagen haben wir kaum Leerzeiten.

Kallfass Bundling

Bündelungsanlage von Kallfass: Rechts die flexible „Minipaketierung“ der Latten, links die Umreifungsstation

Kallfass planing line

Blick auf die beiden Paketieranlagen: Dold entschied sich für eine separate Anlage für B-Ware (links im Bild)

Kallfass parcel strapping

Individuelle Lösung: Damit die Mitarbeiter Folie und Paketzettel leichter anbringen können, hebt Kallfass die Schnittholzstapel nach oben

Text und Bilder: Martina Nöstler, Holzkurier

Holzkurier 47

Keine Kompromisse

Hobelwerk verbindet Höchstleistung mit Ausfallsicherheit, Flexibilität und Präzision

Geschwindigkeit, Flexibilität, Verfügbarkeit und Qualität müssen kein Widerspruch sein. Das beweist das neue Hobelwerk von Rettenmeier Baltic Timber. Die hohen Erwartungen des Rettenmeier-Teams musste Kallfass in Stahl umsetzen – und das in einer vorgegebenen Bestandshalle. In Incukalns/LV läuft nun eine leistungsfähige Anlage, die Geschwindigkeit, modernste Scanner- und Messtechnik sowie flexible Sortier- und Paketierlösungen vereint.

Die neue Hobellinie bei Rettenmeier Baltic Timber liefert imposante Leistungsdaten: Die Gesamtanlage schafft 100 Teile pro Minute, hobelt mit einer Vorschubgeschwindigkeit von bis zu 500 m /min und kann ausgangsseitig, wenn nötig, zwölf Bunde pro Minute erzeugen.

Man kennt sich ...

In Incukalns bündelten sich die vielfältigen Erfahrungen von Rettenmeier und dem Cordes-Mutterkonzern mit Kallfass. Der Ausrüster wusste, was Rettenmeier wünscht und half, Verbesserungen aus anderen Werken hier umzusetzen. Trotz der hohen Forderungen war man schnell: Es verging nur ein Jahr ab der ersten Kontaktaufnahme bis zum Montagebeginn, und nur weitere sechs Monate bis zum ersten Paket. „Für die Montage waren 55 Lkw-Ladungen notwendig. Installiert wurden 232 Antriebe mit einer Gesamtleistung von 750 kW“, präzisiert Kallfass-Konstrukteur Helge Widmann.

Daraus konstruierte man unter anderem die Paketaufgabe mit Kippentstapelung für 3 m hohe Doppelpakete. „Mit integrierter Hilfsentstapelung für schnellen Paketwechsel sowie einer automatischen Entsorgung der Zwischenleisten und Separierung der Unterleg-Kanthölzer“, zählt Widmann auf.

Heavy Duty war Pflicht

Vereinzelt werden die bis zu 120 mm dicken und 320 mm breiten Werkstücke per Tongloader. „Bei diesen Dimensionen ist jeder Förderer extrem beansprucht. Von Kallfass erhielten wir eine Heavy-Duty-Anlage, die damit kein Problem hat“, ist Paul Schmid, Technik-Chef der Rettenmeier-Holding, überzeugt.

Der erste Mitarbeiter kann die Qualität visuell beurteilen. Er wird dabei von einem Microtec-Festigkeitsscanner, einer Brookhuis-Feuchtemessung sowie einer Schüsselungskontrolle unterstützt. Nicht passende oder zu feuchte Teile werden aussortiert.

Kallfass single feed Tongloader

Vereinzelung per Tongloader: Es gibt viel zu tun bei 3 m-Doppelpaketen

500 mm für 500 m/min

Imposant sind die sechs servogesteuerten, 500 mm-Beschleunigungswalzen, welche die Teile in Richtung der Rex-Hobelmaschine schießen. „Soll Stoß an Stoß gehobelt werden, steigt die Geschwindigkeit auf bis zu 750 m/min und die Lücke wird vor der Hobelmaschine im 8 m-High-Speed-Kanal geschlossen“, verweist Widmann.

Die Frage: „Warum genau 500 m/min?“ beantwortet Uwe Lutz, Vertriebsleiter Rettenmeier Hirschberg, so: „Bei einer Geschwindigkeit, die 500 m/min übersteigt, wird faktisch nur noch egalisiert. Bei 500 m/min können wir neben dem klassischen Vierseitenhobeln auch Profilierungen durchführen. Produziert werden Leisten, Deckings und weitere Produkte für den Do-it-yourself-Bereich.“ Entsprechend vielfältig ist das Endprodukt: Nach der Hobelmaschine reicht das Spektrum von der kleinen Dachlatte bis zum großen Kantholz mit 120 mal 320 mm. Alles wird in hoher Präzision und Qualität verarbeitet.

Sofort nach der Hobelmaschine erfassen sechs Walzen des Kallfass-Scannereinschubs das Holz. So werden definierte Abstände erzeugt – selbst bei gesplitterter Ware. Alle Teile kommen kontrolliert in den Goldeneye 820-Scanner von Microtec.

Kallfass planer infeed

Feuer frei: Die Beschleunigungswalzen für 500 m/min

Teileverfolgung inklusive

Zwei Slow-Down -Bänder bremsen die Teile für den Quertransport zu den beiden Stapellinien. Hier ist nun der zweite Bedienerplatz, der das händischen Aussortieren von Hobelbruch, vor allem bei gesplitteter Ware, erlaubt. Erneut taktet der Tongloader, mit hoher Anlagenleistung, die Ware zur nachfolgenden Sortierstation ein. Bei quadratischen Teilen oder anderen kritischen Dimensionen, übernimmt ein Flacheintakter die Aufgabe des Tongloaders. „Mittels ID-Scan von Microtec wird jedem Teil das zugehörige Ergebnis vom Goldeneye-Scanner zugeordnet. Das erspart die aufwändige und risikobehaftete Teileverfolgung“, erklärt Widmann.

Es folgt eine Etikettierstation mit Inkjet-Bedruckung von REA. Mit Höchstgeschwindigkeit wird nun einerseits getrennt in Qualität A, B und C und Ausschuss. B-Ware gelangt auf eine parallele Linie, C-Ware in eine Runge, Ausschuss wird zentral entsorgt.

Die Topqualität geht geradewegs in die Abläng- und Stapellinie. Vor der Mehrfachablängsäge von Kallfass durchlaufen die Teile eine Bündelungsstation. Dort lassen sich Leisten und Bretter zu Kleinbunden stapeln und umreifen. Höchstleistung: Zwölf Bunde pro Minute.

Kallfass planing line

Blick zurück auf Beurteilungsdeck nach Hobelung (I), Zuschnitt für A-Qualität (II), Zuschnitt für B-Qualität (III) und Lagenbildung für B (IV); Pfeile zeigen Flussrichtung

Eine zentrale Paketstation für alles, auch Minipakete

Ein echter Clou ist, dass die Qualitäten A und B an einem zentralen Paketauslauf zusammengeführt werden. Nun erfolgt das Finishing mit Folie und Paketumreifung. Wenn gewünscht, können sogar Minipakete („Quarts“) gebildet werden. Nach der Umreifung kann schließlich ein Paketstapler die Pakete aufeinandersetzen.

Kurz noch zur Halle: Die gewählte Halle verwendete Alteigentümer Swedwood als Lagerhalle. Breite und Länge sind für Ausrüster immer zu kurz, die Bestandshalle glänzte aber mit bis zu 7 m Höhe. „Das gab uns die Freiheit, unter der Hobelanlage die gesamte Restholzentsorgung zu integrieren“, erklärt Schmid. Jedes Kapp- oder Ausschussstück gelangt so als Span zum nahen Silo. Die Anlage ist faktisch U-förmig gebaut. Den Raum dazwischen nutzt man bei Rettenmeier Baltic Timber zum Zwischenlagern von Leisten, Fertig- und Halbware, direkt unter dem Dach.

Obwohl die Halle auf den ersten Blick großzügig dimensioniert scheint, musste laut Schmid „jeder Zentimeter ausgenutzt werden, um unsere Anforderungen zu erfüllen“. Das gelang.

Kallfass quality control

Was darf rein? Festigkeits-, Güte-, Holzfeuchtemessung zentral vor Hobelanlage

Kallfass bundling system

Automatische Bündelungsmaschine bei Rettenmeier für bis zu zwölf Bunde pro Minute – installiert sind zwei Anlagen

Kallfass multiple cross-cut saw

Mehrfachablängsäge: Für A-Ware sowie B-/C-Ware gibt es jeweils eine Sägeeinheit

Kallfass stick placement via magazines

Automatische Leistenlegung über Leistenmagazine ist ebenfalls doppelt ausgeführt, für die Qualitäten A und B

Kallfass foil wrapping

Finale Paketbildung: zentral für beide Anlagen – auch DIY-Minipakete sind möglich

Text und Bilder: Gerd Ebner, Holzkurier

Holzkurier 45

Feeding empty pallets automatically

Ersatzinvestition „Deluxe“

Deutlich höhere Performance auch bei Buchenzuschnitten

Wer maßgeschneiderte und innovative Transportlösungen sucht, wird bei Bössl Paletten im bayerischen Schönthal-Drosendorf/DE fündig. Qualität und Kundentreue sind fest im Selbstverständnis des Familienunternehmens verankert – dieselben Ansprüche stellt Bössl demnach auch an seine Maschinenausrüster. Nach 1989 fiel die Wahl für die neue Zuschnittanlage – nach 35 Jahren unermüdlichen Einsatzes der Vorgängeranlage – erneut auf Kallfass.

Im vergangenen Jahr produzierte Bössl knapp 2 Mio. Stück Paletten. Über 70 % entfielen auf Sonderanfertigungen und individuelle Transportlösungen. „Europaletten und Standardware ergänzen unser Portfolio, sind aber nicht der Grund, warum Kunden weltweit auf uns vertrauen“, erklärt Inhaber und Geschäftsführer Ottmar Bössl.

Bayerische Erfolgsgeschichte

In die Palettenproduktion rutschte Bössl eher zufällig: Nach den Anfängen als Sägewerk und der Fertigung von dringend benötigtem Bauholz für den deutschen Wiederaufbau, spezialisierte sich das Unternehmen in den 1960er-Jahren auf hölzerne Getränkekisten. Als diese sukzessive durch Kunststoff ersetzt wurden, nutzte Bössl bestehende Geschäftsbeziehungen und entwickelte sich zu einem führenden bayerischen Hersteller von Brauerei- und Getränkepaletten. „Damals entfielen rund 90 % unserer Produktionskapazitäten auf Mehrweg-Getränkepaletten – heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt“, blickt Ottmar Bössl zurück.

Mit dem wachsenden Einsatz von Europaletten musste Bössl neue Nischen finden. Heute kann er mit Stolz behaupten, diese erfolgreich gefunden und besetzt zu haben. Angesichts der Vielzahl von Kunden aus der Pharma-, Lebensmittel- und Chemieindustrie stellt sich jedoch die Frage, welche Nische das eigentlich sei – man ist in allen Industrien von Automobil bis Ziegel zu Hause. „Alle, die Qualität auf höchstem Niveau verlangen“, antwortet Ottmar Bössl selbstbewusst und ergänzt: „Der Markt entwickelt sich in einigen Bereichen hin zu hochwertigen Produkten, Mehrwegsystemen sowie Spezialpaletten für Hochregallager in der Lebensmittellogistik. Hier können wir unsere Stärken voll ausspielen.“

Der Einsatz von gehobelten Brettern und Klötzen ist bei Bössl demnach bereits an der Tagesordnung. Harthölzer und Multiplexplatten werden ebenfalls seit vielen Jahren in den hochwertigen Transportlösungen verarbeitet. Von den heute rund 400 unterschiedlichen Produkten bestehen etwa 20% ganz oder teilweise aus Buche oder auf Wunsch aus anderen Harthölzern und Holzwerkstoffen.

Partner seit Jahrzehnten: Ottmar (re.) und Marco Bössl (li.) gemeinsam mit Kallfass-Geschäftsführer Hans Haist (Mitte) vor einem Stapel Sonderpaletten für den US-Markt

Frage zur Ausrüsterwahl stellte sich nicht

Der Einsatz von Hartholz war auch mit ein Grund, warum man sich erneut für eine Einzelbrett-Zuschnittanlage entschied. „Buche lässt sich qualitativ nicht im Paket verarbeiten. Kallfass kennt diese Anforderungen und hat die Anlage exakt nach unseren Wünschen konstruiert“, fasst Ottmar Bössl zusammen.

Mit Kallfass verbindet Bössl eine langjährige Partnerschaft. Bereits vor über 35 Jahren lieferte der Maschinenbauer die erste Zuschnittanlage in die Oberpfalz nahe der tschechischen Grenze. 2024 wurde diese nun durch eine moderne Anlage ersetzt. „Für uns stand von Anfang an fest: Den Zuschnitt übernimmt Kallfass. Alternativen wurden nicht diskutiert – Kallfass ist im Premiumsegment aus unserer Sicht konkurrenzlos“, betont Marco Bössl, der in dritter Generation im Familienunternehmen tätig ist.

„Bei Zuschnittanlagen im Hochqualitätssegment ist Kallfass nahezu alternativlos.“

Marco Bössl, Bössl Paletten

Kallfass multiple cross-cut saw

Präzise Kappung: Fünf Sägeaggregate in der Mehrfachablängsäge sorgen für einen exakten Brettzuschnitt von Nadel- und Laubhölzern

Präzision auf engem Raum

„Eigentlich bot die bestehende Halle nicht genügend Platz für eine neue Zuschnittanlage. Am Ende war es ein Ringen um jeden Zentimeter“, erklärt Hans Haist, Geschäftsführer von Kallfass. In Kombination mit dem engen Zeitplan entwickelte sich das Standardprojekt schnell zu einer anspruchsvollen Aufgabe. „Im Palettengeschäft ist es nicht möglich, lange auf Vorrat zu produzieren. Kallfass hat es dennoch geschafft, die Altanlage innerhalb weniger Wochen abzubauen sowie die neue zu installieren und in Betrieb zu nehmen. Zeit- und Kostenplan wurden eingehalten, unsere Produktion blieb nahezu völlig ungestört“, zeigt sich Marco Bössl zufrieden.

Die komplette Neuanlage findet auf lediglich auf 17 m Länge Platz und ist für Holzrohlängen bis 3,1 m ausgelegt. Die kürzeste Brettlänge beträgt 595 mm. Für Hölzer mit Längen bis zu 5 m hat Bössl eine weitere Kallfass-Anlage im lagenweisen Zuschnitt in Betrieb, die bereits 2008 installiert wurde.

Die Paketaufgabestation installierte Kallfass platzsparend unter einem Vordach vor der Halle. Nach der lagenweisen Kippentstapelung prüft der einzige Mitarbeiter an der Linie die Holzqualität und schleust beschädigte Bretter über den darunterliegenden Entsorgungsschacht aus. Diese werden sofort zerkleinert und für den innerbetrieblichen Transport zur Hackgutanlage vorbereitet. Ausrichtrollen sorgen für eine exakte Nulllinie jedes Brettes, bevor es die insgesamt fünf Sägeaggregate (davon vier motorisch verfahrbar) passiert. Zusätzliche Absaugungen direkt über den Sägen gewährleisten Arbeitssicherheit und ein sauberes Arbeitsumfeld – insbesondere beim feinen Buchenstaub ein großer Vorteil. Am Ende der Anlage installierte Kallfass eine automatische Leerpalettenzufuhr, wie auch die Leistenmagazine müssen diese nur einmal pro Schicht nachgefüllt werden.

Kallfass parcel pick-up station

Für Holzlängen bis zu 3 m: Noch vor dem Halleneingang befindet sich die Paketaufgabestation. Die Stränge des Paketförderers sind verfahrbar ausgeführt

Projekt nach Plan

„Dieses Projekt zeigt: Auch bei Standardanlagen sind es die Detaillösungen, die den Unterschied ausmachen“, resümiert Haist. Für Bössl ist die Neuinvestition ebenfalls ein voller Erfolg: „Die neue Anlage bringt uns enorme Vorteile: bessere Taktzeiten, kaum störungsbedingte Ausfälle und deutlich reduzierte Umrüstzeiten. Gerade bei Kleinserien unter 100 Stück ist das ein entscheidender Vorteil“, erklärt Marco Bössl. Sein Vater ergänzt: „Vor 35 Jahren habe ich meine erste Kallfass-Anlage gekauft. Eine Entscheidung, die ich heute erneut getroffen habe und auch in Zukunft jederzeit wieder treffen würde.

Automatisierung: Sowohl beim Legen der Stapelleisten

als auch bei der Zufuhr von Leerpaletten sind nun keine manuellen Schritte mehr notwendig

Ausbeute und Durchsatzleistung erhöht: Die neue Zuschnittanlage von Kallfass stellt Bössl Paletten wieder langfristig zukunftsfit auf

Text und Bilder: Raphael Kerschbaumer, Holzkurier

Holzkurier 38

Bereits die vierte Anlage

Seit mehr als 25 Jahren ist das Sägewerk Dubot Bois & Scieries aus Saint Avit/FR Kunde beim baden-württembergischen Maschinenbauer Kallfass, Baiersbronn-Klosterreichenbach/DE. Als im vergangenen Jahr bei Dubot eine Investition in eine neue Sortier- und Stapelanlage auf dem Plan stand, lag es nahe, wieder auf das Können von Kallfass zu vertrauen.

Mit drei unterschiedlichen Sägelinien am Standort Saint Avit schneidet Dubot Bois & Scieries jährlich 140.000 fm/J – ausschließlich Nadelholz. Eine Spezialität ist der Einschnitt von Douglasie, der rund 50% der gesamten Menge ausmacht. „Mit den drei Linien – von Kreissägetechnik bis Blockbandsäge – können wir dem Forst nahezu alle Rundholzdurchmesser abnehmen“, erläutert der technische Direktor im Sägewerk, Florian Baudron. Zum Einschnitt gelangen Stämme von 10 bis 100 cm Durchmesser sowie Längen von 2 bis 9,5 m.

Mehr Leistung und hohe Qualität

Der Ursprung des Unternehmens reicht bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Das Sägewerk am Standort Saint Avit besteht seit 1945, seitdem baute die Familie Dubot das Werk beständig aus.

Wie eingangs erwähnt, ist Kallfass seit einem Viertel Jahrhundert Lieferant für Sortier- und Stapellinien. Im vergangenen Jahr orderte Dubot bereits die vierte Anlage bei Kallfass. „Unsere Anlage hinter der Kreissägenlinie – natürlich ebenfalls von Kallfass – war mittlerweile in die Jahre gekommen. Außerdem hatten wir nur zwölf Boxen für die Sortierung und waren damit hinsichtlich der Leistung der Sägelinie eingeschränkt. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, in eine neue Sortier- und Stapelanlage zu investieren“, berichtet Baudron und führt weiter aus: „Zudem wussten wir, dass Kallfass die neue Hauptwarenlinie wieder am Platz der alten aufbauen kann.“ Im Lieferumfang von Kallfass waren zudem ein Microtec-Waldkantenscanner sowie ein Trimmer enthalten. Beide sorgen dafür, dass Dubot eine hohe Schnittholzqualität erzeugen kann.

Der Umbau bei Dubot startete im Juni 2024, seit Ende Oktober ist die Kallfass-Anlage in Betrieb. In der Zwischenzeit konnte Dubot die Hauptware – mit etwas reduzierter Leistung – über die bestehende Seitenwarensortierung von Kallfass fahren.

Kallfass lieferte mittlerweile die vierte Anlage an Dubot. Im Bild: Guillaume Cedan und Florian Baudron von Dubot mit Kallfass-Geschäftsführer Hans Haist und Vertreter Jonathan Bleesz (v. li.)

Robuste Anlage für Hauptware

Die Kallfass-Lieferung startet ab dem Querabzug der Hauptware hinter der Sägelinie. Die Sortier- und Stapelanlage ist auf Holzlängen von 2,5 bis 7,3 m sowie einen maximalen Querschnitt von 63 x 260 mm ausgelegt. „Wir haben auch schon 100 x 260 mm getestet – das funktionierte aufgrund der robusten Bauweise auch problemlos“, meint Produktionsleiter Guillaume Cedan und schmunzelt. Die Hölzer werden zunächst vereinzelt.

Ein Tongloader mit einer Leistung von bis zu 80 Stück pro Minute taktet das Schnittholz auf einem Beurteilungskettenförderer ein. Hier installierte der Maschinenbauer eine Neuheit, wie Kallfass-Geschäftsführer Hans Haist bei der Besichtigung verweist: „Der Mitarbeiter gibt jedem Stück die Qualität jetzt nicht mehr mittels Tastendruck oder Verziehen der Hölzer mit, sondern wir haben einen Touchscreen geliefert. Hier kann der Bediener bequem die Qualität bestimmen.“ Zudem führt der Beurteilungskettenförderer dazu, dass beide Holzseiten begutachtet werden können. Das war für Dubot besonders wichtig, denn eine hohe Schnittholzqualität ist die oberste Prämisse des Sägewerks.

Kallfass quality assessment conveyor with touch screen

Erstmals von Kallfass installiert: Der Mitarbeiter kann durch den Beurteilungskettenförderer beide Holzseiten begutachten. Die Qualität gibt er anschließend am Touchscreen ein.

Danach durchlaufen die Hölzer den Waldkantenscanner. Gemäß des Ergebnisses besteht im Anschluss die Möglichkeit, das Schnittholz im Kallfass-Trimmer zu kappen. Dieser verfügt über zehn Sägeaggregate. Letztlich erfolgt die Sortierung in eine der 22 Schrägboxen. Diesen Bereich der Sortieranlage hat Kallfass im Bestandsgebäude untergebracht. Für die nachfolgende Stapelanlage erweiterte Dubot – parallel zur Sortierung – die Halle.

Kallfass feeding of box sorter

Die neue Sortieranlage verfügt jetzt über 22 Boxen. Damit gibt es keinen Engpass mehr.

Übergabe mit Transportwagen

Die Boxen werden auf einen Längsförderer entleert und das Holz anschließend an einen Transportwagen übergeben. Dieser fährt quer in die parallel angeordnete neue Halle und das Schnittholz wird dem Stufenschieber und Vereinzeler übergeben. Es folgen die Lagenbildung und die Kallfass-Mehrfachablängsäge. „Letztere ist mit fünf Sägeaggregaten, vier davon automatisch positionierbar, ausgestattet“, informiert Jonathan Bleesz, der mit seinem Unternehmen VBI die Kallfass-Vertretung in Frankreich innehat. Die Mechanisierung übergibt die Schnittholzlagen an die Stapelmaschine. Deren Leistung beziffert Haist mit bis zu zehn Lagen pro Minute. Sie ist mit acht Einfachmagazinen für die Leistenlegung ausgestattet.

Die fertigen Schnittholzpakete gelangen auf einen großzügig dimensionierten Querförderer. Diese werden entweder vom Staplerfahrer abgenommen oder der bestehenden Umreifungsanlage zugeführt, welche Kallfass in die Steuerung integriert hat. „Jetzt ist in diesem Bereich kein Mitarbeiter mehr notwendig und die entsprechenden Paketdaten werden automatisch der Umreifungsanlage übergeben“, erläutert Haist.

Kallfass moving device to stacking line

Nach der Entleerung gelangen die Hölzer auf einen Verfahrvorrichtung, anschließend werden diese der Stapelanlage zugeführt

Derzeit gibt es bei Dubot Planungen, die alte Kallfass-Anlage zu einem Trockensortierwerk umzurüsten und an einem anderen Platz am Gelände aufzubauen. Dieses Projekt soll noch in diesem Jahr abgewickelt werden.

Kallfass cross-cut saw

Vielfach bewährt und in keiner Kallfass-Anlage mehr wegzudenken: die Mehrfachablängsäge.

Kallfass sorting line

Die Stapelanlage ist in einer neuen Halle untergebracht, parallel zur Boxensortierung. Im Bild der großzügig dimensionierte Paketförderer.

Im Lieferumfang von Kallfass waren zudem ein Microtec-Waldkantenscanner sowie ein Trimmer enthalten.

Text und Bilder: Martina Nöstler, Holzkurier

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