Komplette Mechanisierungen für Hobelwerke hat Kallfass, Klosterreichenbach/DE, bereits unzählige gebaut und in Betrieb genommen. Bei Dold Holzwerke in Buchenbach/DE hat man den Ablauf in Sachen Flexibilität aber nochmals auf eine neue Ebene gehoben, denn mit dieser neuen Anlage kann bei Weitem nicht „nur“ gehobelt werden.
„Wir sind zu 100 % ein integrierter Holzverarbeitungsbetrieb“, sagt Nikloaus Faller, gemeinsam mit Matthias Huber Geschäftsführer bei Dold Holzwerke, zu Beginn. Der Rohstoff wird – soweit möglich – in Buchenbach selbst weiterverarbeitet. Mit dem Schnittholz bedient man die Massivholzplatten- Produktion sowie das Hobelwerk, die Rinde gelangt in das eigene Heizwerk, Sägespäne werden zu Pellets gepresst. Hinzu kommen Trocknung und Imprägnierung.
Ausgiebige Planung
Dold Holzwerke erzeugt seit Jahrzehnten Hobelware und auch Latten. „Bisher war unsere Mechanisierung rund um die Hobelmaschine aber relativ einfach gehalten. Um hier die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und die Effizienz zu steigern, haben wir uns für die Investition in ein neues Hobelwerk entschieden“, erläutert Faller. Aufgrund der engen Platzverhältnisse am Standort haben sich die Verantwortlichen aber zunächst entschieden, ein neues Bürogebäude zu bauen, da das alte sprichwörtlich aus allen Nähten platzte. Die Planungen für das Hobelwerk starteten 2020, im November 2022 folgte der Spatenstich für die neue Halle. Um die Fläche bestmöglich auszunutzen, wurde diese zweistöckig ausgeführt: Unten befindet sich das Schnittholzlager, in der oberen Etage das neue Hobelwerk.
Bei der Mechanisierung hat man sich für Kallfass als Ausrüster entschieden. „Wir haben mit mehreren Anbietern gesprochen, waren letztlich aber überzeugt, dass nur Kallfass unsere umfangreichen Wünsche umsetzen kann. Außerdem haben wir schon zuvor mit Kallfass zusammengearbeitet“, sagt Faller, der auch das tolle Projektmanagement seitens des Ausrüsters hervorhebt. „Bei der Planung haben wir die Anforderungen des Marktes sowie die notwendigen Dimensionen und Mengen berücksichtigt. Unser Portfolio ist sehr kundenorientiert ausgelegt – wir liefern, was der Kunde braucht.“
Gute Zusammenarbeit: Kallfass-Programmierer Holger Seidt mit den beiden Dold Holzwerke-Geschäftsführern Nikolaus Faller und Matthias Huber (v. li.)
„Wir haben von Kallfass im neuen Hobelwerk sprichwörtlich die eierlegende Wollmilchsau erhalten.“
Nikolaus Faller, Geschäftsführer Dold Holzwerke
Ein Holz – viele Wege
Kallfass hat in Zusammenarbeit mit Dold Holzwerke eine hochflexible Anlage geplant. Da man bei Weitem nicht nur hobelt, bezeichnen Faller und Huber sie auch als „Multifunktionswerk“. Möglich sind verschiedene Betriebsmodi:
- Hobeln mit und ohne Vielblattsäge
- Hobeln mit und ohne Bündelung
- reiner Umstapelbetrieb
- Bandsägenrundlauf mit und ohne Hobeln
Die Kallfass-Anlage ist auf Brettlängen von 2 bis 8,1 m ausgelegt. Die Querschnitte reichen von 18 mal 80 mm bis hin zu großen KVH-Querschnitten. „Aufgrund der vielfältigen Betriebsarten und auch des großen Dimensionsspektrums war dieses Projekt für uns alles andere als alltäglich“, meint Kallfass-Programmierer Holger Seidt. Die Jahreskapazität im Zweischichtbetrieb beziffert Huber mit bis zu 90.000 m³.
Die Kallfass-Mechanisierung startet mit einer Paketzuführung mittels eines Hubwerks mit einem möglichen Gesamtgewicht von 16 t in die zweite Etage sowie einer Kippentstapelung. Die Trockenkammer- und Verlustleisten fallen automatisch ab und gelangen zu einer Sammelstation. Nach der Vereinzelung kann das Holz zwei Wege nehmen: Entweder geht es geradeaus weiter zum Tongloader, oder die Bretter gelangen über einen Bypass nach oben und weiter zur der Weinig Raimann-Twinbandsäge. Mit dieser lassen sich die Stücke – ebenfalls flexibel – horizontal oder vertikal auftrennen. Die Bandsägebeschickung arbeitet mit einer Vorschubgeschwindigkeit von 100 m/min.
Vereinzelung nach der Kippentstapelung: unten geht es nach links weiter zur Hobelmaschine, oben der Bypass für die Twinbandsäge
Hobeln oder umstapeln
Ein Tongloader taktet die Bretter in die Mitnehmer ein. Nach der Feuchte- und Schüsselungsvermessung lassen sich Schlechtteile ausschleusen. Können diese weiter aufbereitet werden, gelangen die Stücke in eine Runge, andernfalls in den Hacker. Im weiteren Ablauf folgt die bewährte Kallfass-Mehrfachablängsäge mit einer fixen Säge sowie zwei variablen Einheiten. Nach dieser Anlage gibt es erneut zwei Möglichkeiten: nach unten in den Bypass für das reine Umstapeln oder geradeaus weiter in den Hobeleinzug von Kallfass. Diese Beschickung ist auf eine maximale Vorschubgeschwindigkeit von 250 m/min ausgelegt.
Vielfach bewährt: Für den Sauberkeits- und Trennschnitt installierte Kallfass die Mehrfachablängsäge
Hinter der Hobelmaschine kommt eine weitere Besonderheit: eine Weinig Raimann-Vielblattkreissäge für noch mehr Flexibilität in der Produktion. Diese montierte Kallfass auf Schienen, sodass sie bei Nichtgebrauch einfach auf die Seite geschoben werden kann. Anschließend werden die Werkstücke nach links auf den Kettenförderer mit Beurteilungsstation abgezogen. Auch hier lassen sich Teile nach unten ausschleusen. Diese gelangen entweder zur zweiten Stapelmaschine oder in den Hacker. Noch steht hier ein Mitarbeiter, um die Qualität zu begutachten. Man hat aber bereits bei der Konfiguration der Anlage darauf geachtet, dass sich bei Bedarf relativ einfach ein Scanner in den Ablauf integrieren lässt.
Mit ein Grund für die Investition in das Hobelwerk war für Dold Holzwerke, Latten effizienter zu fertigen. Aus diesem Grund installierte Kallfass eine Bündelungsanlage. „Wir stellen die Bunde hinsichtlich Stückzahl je nach Kundenwunsch zusammen. Der Vorteil der Kallfass-Lösung: Vom Zusammenstellen der Bunde bis zu deren Umreifung wird das Holz zu jeder Zeit fixiert“, verweist Faller beim Rundgang. Danach werden die Bunde beziehungsweise das Schnittholz an einer der beiden Stapelanlagen paketiert, nach unten transportiert und der Fromm-Umreifungsstation zugeführt. Hier baute Kallfass ebenfalls ein Feature ein: Um den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern, gibt es im Rollengang ein Hubwerk, das die Pakete um gut 50 cm anhebt.
Da das Werk in einer neuen Halle entstanden ist, konnte bei Dold Holzwerke mit der Bestandsanlage weiterproduziert werden. „Kallfass hat zuerst die gesamte Mechanisierung in Betrieb genommen. Ganz zum Schluss haben wir die generalüberholte Hobelmaschine dann an ihrem jetzigen Platz installiert“, führt Huber aus und Faller ergänzt abschließend: „Durch die hohe Automatisierung und die schnelle Umrüstung der Anlagen haben wir kaum Leerzeiten.
Bündelungsanlage von Kallfass: Rechts die flexible „Minipaketierung“ der Latten, links die Umreifungsstation
Blick auf die beiden Paketieranlagen: Dold entschied sich für eine separate Anlage für B-Ware (links im Bild)